„Vier Schüsse von hinten - ein Jahr ohne Konsequenzen“: Gedenken an Lorenz und Forderung nach unabhängiger Aufklärung

Pressemitteilung von die Linke Oldenburg-Ammerland

Oldenburg, 19. April 2026

Ein Jahr nach den tödlichen Polizeischüssen auf den 21-jährigen Lorenz in Oldenburg ruft die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ am 19. April zum Gedenken auf. Lorenz wurde am Osterwochenende 2025 durch vier Schüsse von hinten getötet, ohne Warnschuss. In der Folge erklärte die Polizei zunächst, es habe keine Zeug*innen gegeben, während gleichzeitig das Narrativ eines Messerangriffs verbreitet wurde – beides Fehlbehauptungen.

Der Kreisverband Oldenburg/Ammerland kritisiert die bislang ausbleibende Aufarbeitung deutlich: „Vier Schüsse von hinten - und ein Jahr später gibt es noch immer keine umfassende Aufklärung. Das ist nicht hinnehmbar.“ Auch die Struktur der Ermittlungen steht in der Kritik. Es ermittelte die Polizeiinspektion Delmenhorst - jene Behörde, in deren Gewahrsam 2021 Qosay Khalaf starb. Damals führte die Polizei Oldenburg die Ermittlungen. Ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ist bis heute nicht eingeleitet. „Wenn Polizei gegen Polizei ermittelt, entsteht kein Vertrauen – weder bei Betroffenen noch in der Öffentlichkeit.“

Der Kreisverband ordnet den Fall politisch ein: „Lorenz’ Tod ist kein isolierter Einzelfall. Er steht für ein schwerwiegendes Problem innerhalb der Polizei und Gesellschaft: struktureller Rassismus.“ Mit Blick auf die öffentliche Darstellung des Falls sagt Esther Dannemann-Janßen aus dem Kreisvorstand der Linken Oldenburg/Ammerland: „Die schnelle Verbreitung eines Bedrohungsszenarios seitens der Polizei wirft Fragen auf. Solche Narrative prägen Wahrnehmung - und können im Nachhinein kaum korrigiert werden.“

Der Kreisverband fordert konkrete Konsequenzen:

  • Unabhängige Ermittlungen statt Behördenkreisläufe
  • Bodycams verpflichtend und lückenlos einsetzen
  • Unabhängige Meldestellen für Betroffene schaffen
  • Rechtsschutz stärken - nicht Hürden erhöhen

Abschließend erklärt der Kreisverband: „Gedenken ist wichtig. Aber ohne Konsequenzen bleibt es symbolisch. Was fehlt, ist politische Verantwortung.“